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Zielfonds — Geldanlage auf Autopilot

Ein Fonds, der sein Aktien-Anleihen-Verhältnis mit der Zeit verändert. Was der Gleitpfad tut, was er kostet und wann er reicht.

Ein Zielfonds trifft eine Entscheidung für dich und trifft sie dann fünfunddreißig Jahre lang immer wieder. Das ist das ganze Produkt. Du wählst das Zieljahr, legst eine monatliche Sparrate fest, und der Fonds schichtet dein Geld langsam von Aktien in Anleihen um, während du dein Leben lebst. Es ist das, was einer Voreinstellung beim Investieren am nächsten kommt, und für viele Menschen ist die Voreinstellung die richtige Antwort.

Die Rechnung, auf die es ankommt, ist nicht die des Fonds. Wer mit 30 monatlich 350 € bei 7 % im Jahr anlegt, hat mit 65 rund 630.369 €. Mit 200 € im Monat werden aus denselben 35 Jahren rund 360.211 €. Der viel diskutierte Gleitpfad ist weit weniger wert als die Sparrate, und deshalb schlägt ein etwas langweiliger Fonds, den du nie anfasst, einen cleveren, an dem du ständig herumschraubst.

Was mit einer Einzahlung passiert

In einem Zielfonds stecken vier oder fünf Indexfonds: Aktien entwickelter Märkte, Schwellenländer, Anleihen, manchmal ein Anteil kurz laufender Anleihen. Du siehst sie nie, aber sie erledigen die ganze Arbeit.

Was der Fonds mit deinen 350 € macht
  1. 01Deine Sparrate kommt anEinmal im Monat, per Sparplan oder über die bAV
  2. 02Sie wird auf Indexfonds verteiltAktien weltweit, Schwellenländer, Anleihen
  3. 03Die Mischung wird ausgeglichenZurück aufs Ziel, sobald die Märkte sie verschieben
  4. 04Das Ziel verschiebt sich jedes JahrEtwas weniger Aktien, etwas mehr Anleihen, bis zum Ruhestand

Du triffst eine Entscheidung, das Zieljahr. Der Fonds trifft jede weitere nach Plan, auch die, die Menschen in Panik falsch treffen.

Was der Gleitpfad tut

Die langsame Verschiebung von Aktien zu Anleihen folgt einer Kurve, die die Branche Gleitpfad nennt. Ein Fonds mit Zieljahr 2060, heute gekauft von jemandem, der um 2060 in Rente gehen will, folgt ungefähr dieser Form:

Ein typischer Gleitpfad 2060, nach Alter

Alter 25

Alter 35

Alter 45

Alter 55

Alter 65

  • Aktien
  • Anleihen

Zwischen 25 und 35 passiert fast nichts. Die eigentliche Umschichtung in Anleihen drängt sich in die letzten fünfzehn Jahre, genau dann, wenn die meisten am wenigsten hinschauen.

Illustrativer Gleitpfad. Echte Fonds unterscheiden sich: Manche erreichen zum Ruhestand 50 % Aktien, manche halten zehn Jahre länger 60 %.

Diese Form ist eine Entscheidung, kein Gesetz. Zwei Fonds mit demselben Zieljahr können mit 55 zwanzig Prozentpunkte Aktienanteil auseinanderliegen. Lies den Gleitpfad deines Fonds einmal. Passt der Aktienanteil zum Ruhestand nicht zu dem Risiko, das du willst, nimm ein anderes Zieljahr oder einen anderen Fonds.

Die Kosten sind der Teil, den du steuerst

Jeder Zielfonds ist ein Dachfonds, und du zahlst die Kosten der Zielfonds darunter plus die Hülle. In Deutschland sind Zielfonds seltener als in den USA, und wo es sie gibt, kosten sie oft 0,4 % bis 1,0 % im Jahr. Der Unterschied verzinst sich genau so lange, wie du den Fonds hältst.

10.000 € im selben Portfolio bei vier Kostenquoten
  • 0,08 % im Jahr
  • 0,12 % im Jahr
  • 0,55 % im Jahr
  • 0,73 % im Jahr
  • Jahr 10
  • Jahr 20
  • Jahr 30
10.000 € im selben Portfolio bei vier Kostenquoten
0,08 % im Jahr0,12 % im Jahr0,55 % im Jahr0,73 % im Jahr
Jahr 1019.525 €19.452 €18.683 €18.370 €
Jahr 2038.122 €37.838 €34.907 €33.745 €
Jahr 3074.434 €73.603 €65.218 €61.990 €

Alle vier Balken enthalten dieselben Anlagen. Nur die jährlichen Kosten unterscheiden sich, und nach dreißig Jahren liegt der günstigste 12.444 € vor dem teuersten, rund ein Sechstel des Endbetrags.

Illustrativ. 10.000 €, keine weiteren Einzahlungen, 7 % im Jahr vor Kosten, Kosten jährlich von der Rendite abgezogen, ohne Steuern.

Wann ein Zielfonds die richtige Antwort ist

Zielfonds oder zwei, drei ETFs
ZielfondsEin Fonds, eine Entscheidung
Eigenes ETF-DepotAktien weltweit, Schwellenländer, Anleihen
Typische Kosten
0,4 % bis 1,0 % in Deutschland
Besser: 0,1 % bis 0,2 %
Umschichten
Besser: Automatisch
Einmal im Jahr, durch dich
Kontrolle über die Mischung
Keine
Besser: Vollständig
Steuer im normalen Depot
Besser: Umschichtungen im Fonds lösen bei dir keine Steuer aus
Jeder eigene Verkauf kann Steuer auslösen
Gefahr, in Panik herumzuschrauben
Besser: Gering
Höher

FazitEin günstiger Zielfonds ist eine vollständige Antwort. Weil er in Deutschland meist teuer ist, lohnt sich hier oft das eigene ETF-Depot, vorausgesetzt, du schichtest einmal im Jahr ruhig um und sonst nie.

Nach dem Investmentsteuergesetz werden Umschichtungen innerhalb eines Fonds nicht beim Anleger besteuert.

Nimm ihn, wenn die Alternative schlechter ist. Bist du 28 und deine andere Option ist ein Depot, das du aufbauen willst, „sobald es ruhiger wird“, gewinnt der Zielfonds von selbst. Bei 4.000 € im Depot ist ein Portfolio aus drei Fonds mehr Tabelle als Geld. Und bietet deine bAV oder dein Vorsorgevertrag ein Lebenszyklusmodell mit fairen Kosten, spricht wenig dagegen.

Nimm ihn auch, wenn du weißt, dass du bei 40 % Minus verkaufen würdest. Ein Fonds, der ohne Rückfrage umschichtet, ist genauso ein Verhaltenswerkzeug wie ein Finanzprodukt.

Lass ihn, wenn du die Mischung selbst bestimmen willst. Wer mit 45 bewusst 100 % Aktien halten will, weil eine Rente oder eine Pension die Grundkosten deckt, braucht keinen Fonds, der ihn still in Anleihen schiebt.

Vier Wege, einen guten Fonds kaputtzumachen

Drei davon halten. Überlappende Zieljahre streuen nichts. Sie ergeben im Durchschnitt einen einzigen Fonds mit mehr Papierkram.

Ihn neben einem Aktienfonds halten, der dir gefiel. Dann ist deine echte Aufteilung die Mischung des Fonds plus das, was du dazugelegt hast, und niemand steuert das Ganze. Ein Nebenwertefonds neben einem Zielfonds 2060 macht aus 90/10 still und leise 95/5.

Am Tiefpunkt die Einzahlungen stoppen. Zwei Jahre ohne 300 € Sparrate ab 33, zusammen 7.200 €, wären bis 65 bei 7 % auf rund 62.500 € gewachsen. Abschwünge fühlen sich an wie der Moment aufzuhören. Rechnerisch sind sie der Moment weiterzumachen.

Ohne Entnahmeplan in den Ruhestand gehen. Der Gleitpfad endet beim Ruhestand, die Ausgaben nicht. Auch ein Fonds bei seiner Endmischung von 45/55 muss in irgendeiner Reihenfolge entnommen werden, und diesen Plan schreibst du.

  1. Zuerst die Kostenquote nachsehen

    Unter 0,20 % ist gut, über 0,50 % ein Grund, die günstige ETF-Alternative zu prüfen.

  2. Das Jahr nahe am Ruhestand wählen

    Ziel ist das Jahr, in dem du 67 wirst, sofern du keinen Grund für ein anderes hast.

  3. Die Sparrate festlegen, nicht den Betrag

    Ein Sparplan über 300 € im Monat schlägt eine Einmalanlage von 10.000 €, die du immer wieder verschiebst.

  4. Den Gleitpfad einmal lesen

    Such den Aktienanteil zu deinem Rentenalter. Passt er nicht, nimm ein anderes Jahr oder einen anderen Fonds.

  5. Dann in Ruhe lassen

    Alle paar Jahre die Kosten prüfen. Sonst braucht nichts deine Aufmerksamkeit.

Ein Zielfonds wird den Markt nicht schlagen, und gegen ein gut gebautes ETF-Depot verliert er, abgesehen von den Kosten, auch nicht viel. Was er tut: Er nimmt dir jedes Jahr Dutzende Gelegenheiten, mit deinem Altersvermögen emotional zu entscheiden. Für die meisten ist das mehr wert als der Kostenunterschied.

56 weitere Vertiefungen findest du in der Navigator-Bibliothek.

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