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Aktienmarkt-Grundlagen

Was eine Aktie ist, wo sie gehandelt wird und warum Kosten meist wichtiger sind als Aktienauswahl.

Dreihundert Euro im Monat, in einen breiten Indexfonds gesteckt und vierzig Jahre bei 7 % liegen gelassen, werden zu knapp 787.000 €. Nichts an diesem Satz verlangt, eine Gewinneraktie zu finden, eine Bilanzpressekonferenz anzuhören oder zu erraten, was die Europäische Zentralbank als Nächstes tut. Der Markt bezahlt dich dafür, ein Stück Wirtschaft zu besitzen und lange genug dabeizubleiben, um den Ertrag einzusammeln.

Was du kaufst

Eine Aktie ist ein rechtlicher Anspruch auf einen Teil eines Unternehmens. Mit einer Aktie besitzt du einen Bruchteil seiner künftigen Gewinne, seiner Fabriken, seiner Patente und seiner Fehler. Deine Stimme auf der Hauptversammlung ändert nichts, und kein Unternehmen schuldet dir eine Dividende.

Kurse bewegen sich aus zwei Gründen. Der erste sind die Gewinne: Ein Unternehmen, das nächstes Jahr mehr je Aktie verdient, ist mehr wert. Der zweite ist die Bewertung, also wie viel Anleger für jeden Euro dieser Gewinne zu zahlen bereit sind. Gewinne wachsen langsam und unaufhaltsam. Bewertungen atmen, und in schlechten Jahren halten sie die Luft an.

Ein Bärenmarkt ist per Konvention ein Rückgang von 20 % oder mehr vom Hoch. Die meisten dauerten etwa ein Jahr, Aufschwünge meist mehrere Jahre. Beide Mittelwerte verbergen enorme Streuung. Der DAX verlor 2008 in einem einzigen Kalenderjahr rund 40 %, 2022 rund 12 %.

Wie ein Kauf abläuft

Xetra, das elektronische Handelssystem der Deutschen Börse, ist der Referenzmarkt für deutsche Aktien. Dort entsteht der Preis, den du in jeder App siehst. Daneben stehen Regionalbörsen wie Frankfurt, Stuttgart und München sowie Tradegate und gettex, die bis in den Abend handeln. Dort handelst du meist gegen einen Market Maker statt auf eine Gegenorder zu warten.

Was passiert, nachdem du auf Kaufen tippst
  1. 01Du gibst eine Order aufBei deinem Broker, über einen Betrag oder eine Stückzahl
  2. 02Der Broker leitet sie weiterAn den Handelsplatz, den du gewählt hast oder der voreingestellt ist
  3. 03Sie trifft auf einen VerkäuferOder einen Market Maker, meist in Sekundenbruchteilen
  4. 04Die Anteile werden eingebuchtZwei Geschäftstage später in deinem Depot

Wer langfristig hält, muss sich um fast nichts davon kümmern. Wichtig sind der Fonds und die Haltedauer, und beim Handelsplatz nur die Summe aus Ordergebühr und Spread.

In der EU gilt die Abwicklung zwei Geschäftstage nach dem Handel (T+2).

Eine Order kostet je nach Broker und Modell zwischen 0 € und rund 10 €, und der Spread kommt immer dazu. Eine Order über 500 € an einer Regionalbörse kann in Summe mehr kosten als eine Xetra-Order mit Gebühr. Für Sparpläne spielt das kaum eine Rolle, weil sie bei vielen Brokern ohnehin kostenlos oder fast kostenlos ausgeführt werden.

Die Indizes, die du ständig hören wirst

Index Was er enthält Warum er zitiert wird
DAX 40 Die 40 größten und liquidesten deutschen Unternehmen Der Leitindex für den deutschen Markt
MDAX 50 mittelgroße deutsche Unternehmen unterhalb des DAX Das deutsche Barometer für mittlere Werte
EURO STOXX 50 50 große Unternehmen der Eurozone Der Standardwerte-Index des Euroraums
MSCI World Rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern Was die meisten Weltfonds abbilden
FTSE All-World Industrie- und Schwellenländer, über 3.000 Unternehmen Der gesamte investierbare Markt in einem Fonds

Die Marktkapitalisierung ist Kurs mal Anzahl der Aktien, und sie trennt die Riesen vom Rest.

Kategorie Marktwert Beispiele
Mega-Cap über 200 Mrd. € SAP
Large-Cap 10 bis 200 Mrd. € Siemens, Allianz, Deutsche Telekom, BMW
Mid-Cap 2 bis 10 Mrd. € Puma, Hugo Boss
Small-Cap 300 Mio. bis 2 Mrd. € Viele SDAX-Werte

Die Indizes unterscheiden sich auch darin, wie sie gebaut sind. DAX, MDAX und MSCI World gewichten nach Marktwert, das größte Unternehmen hat also den größten Einfluss. Der amerikanische Dow Jones dagegen gewichtet nach Kurs, sodass eine 500-Dollar-Aktie ihn stärker bewegt als eine 50-Dollar-Aktie, egal wie groß das Unternehmen ist. Diese Eigenheit ist ein hundert Jahre altes Überbleibsel und der Grund, warum kaum jemand den Dow als Maßstab für ein Depot nutzt.

Warum der Index das Aktienauswählen schlägt

Den Index besitzen oder Aktien auswählen
Ein breiter IndexfondsBesitzt jedes Unternehmen im Index
Selbst Aktien auswählenBesitzt die, die du gewählt hast
Worin du recht haben musst
Besser: In nichts, außer dabeizubleiben
Welche Unternehmen gewinnen, und wann du verkaufst
Ein Unternehmen geht pleite
Besser: Ein kleiner Teil einer Position
Womöglich ein großer Teil des Depots
Den nächsten großen Gewinner erwischen
Besser: Garantiert, im Verhältnis zu seiner Größe
Nur wenn du früh gekauft und durchgehalten hast
Kosten im Jahr
Besser: 0,05 % bis 0,25 %
Ordergebühren, Spreads, Steuern und deine Zeit

FazitWer den Index schlagen will, muss die seltenen riesigen Gewinner besitzen und die Pleiten meiden, und das verlässlich. Der Index bekommt den Durchschnitt aller, einschließlich der Gewinner, die niemand kommen sah.

Um die beste Aktie des letzten Jahrzehnts zu halten, hättest du Nvidia besitzen müssen, die zwischen 2015 und 2025 um mehr als das Hundertfache stieg, und sie durch mehrere Rückgänge von über 50 % halten müssen. Gleichzeitig hättest du die Unternehmen meiden müssen, die auf null gingen. Kaum jemand schafft beides verlässlich, und die Beweislage ist eindeutig.

Dividenden sind die andere Hälfte, die man vergisst. Historisch machten sie einen großen Teil der Gesamtrendite aus, und ein Kurschart lässt sie weg. Ein breiter Indexfonds liefert beides ohne Entscheidung, und das ist mehr wert, als es klingt: An Entscheidungen verlieren die meisten Anleger.

Was dich der Markt kostet

Die Kosten sind das Einzige am Markt, das du im Voraus kennst. Ein Index-ETF kostet 0,05 % bis 0,25 % im Jahr. Ein aktiv gemanagter Aktienfonds verlangt oft 1 % bis 2 % und bleibt trotzdem häufiger hinter dem Index zurück, als dass er ihn schlägt.

300 € im Monat bei 7 %, nach Fondskosten
  • 0,05 % Kostenquote
  • 1,25 % Kostenquote
300 € im Monat bei 7 %, nach Fondskosten
StartJahr 10Jahr 20Jahr 30
0,05 % Kostenquote0 €51.783 €155.333 €362.401 €
1,25 % Kostenquote0 €48.502 €134.579 €287.339 €

Der teure Fonds wächst auch. Er gibt dem Fondsmanagement über dreißig Jahre nur rund 75.000 € ab.

Illustrativ. 300 € monatlich bei 7 % vor Kosten, Kosten von der Rendite abgezogen, monatlich verzinst, ohne Steuern.

Die 7 % sind eine Annahme, und für ein einzelnes Land über kurze Zeit eine optimistische. Die Kosten sind keine Annahme. Sie werden in flachen und guten Jahren gleichermaßen abgezogen, auf einen Bestand, den der Zinseszins vergrößern will. Bei 100.000 € über dreißig Jahre zu 8 % vor Kosten ist derselbe Abstand von 1,2 Prozentpunkten rund 283.000 € wert.

Auch die Steuer gehört zur Rechnung. Im Depot werden Ausschüttungen im Jahr des Zuflusses versteuert. Ein thesaurierender Fonds legt die Erträge intern wieder an, und die Steuer darauf verschiebt sich, abgesehen von der Vorabpauschale, bis zum Verkauf. Richte außerdem einen Freistellungsauftrag bei deinem Broker ein, sonst zahlst du Steuer auf Erträge, die unter dem Sparerpauschbetrag liegen.

Von hier zum investierten Depot

  1. Die Barreserve aufbauen

    Drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld. Sie verhindert, dass du im schlechten Monat Anteile verkaufst.

  2. Ein Depot eröffnen

    Bei einem günstigen Online-Broker oder einer Direktbank. Vergleiche die Kosten der Fonds, bevor du das Design der App vergleichst.

  3. Einen breiten Fonds kaufen

    Einen Welt-ETF auf MSCI World oder FTSE All-World. Bring die erste Rate in den Markt, bevor du irgendetwas optimierst.

  4. Den Kauf automatisieren

    Ein Sparplan am Gehaltstag, derselbe Betrag, jeden Monat. 100 € automatisch schlagen 300 €, an die du denken musst.

  5. Den Betrag erhöhen, wenn das Einkommen steigt

    Eine Gehaltserhöhung ist der günstigste Moment, mehr zu sparen, weil du dich an das Geld noch nicht gewöhnt hast.

Kosten und Verhalten entscheiden fast das ganze Ergebnis, und beides liegt in deiner Hand. Die Aktienauswahl nicht. Diese Asymmetrie ist das ganze Argument dafür, den Index zu besitzen, statt ihn schlagen zu wollen.

Eine Ausnahme, klar gesagt: Wer einen Dispo mit 10 % oder mehr trägt, für den ist dieser Artikel nicht der nächste Schritt. Die Tilgung bringt eine garantierte Rendite in genau dieser Höhe, und kein Aktiendepot kann sie versprechen. Erst den Notgroschen aufbauen, die teuren Schulden tilgen, dann mit Geld an die Börse, das du zehn Jahre nicht brauchst.

56 weitere Vertiefungen findest du in der Navigator-Bibliothek.

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