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Indexfonds

Ein Fonds kann einen ganzen Markt halten. Es geht um Gewichtung, Streuung, Kosten und die Risiken, die bleiben.

Ein Fonds, der 1,05 % im Jahr verlangt statt 0,05 %, lässt bei einer Anlage von 100.000 € über dreißig Jahre rund 184.000 € liegen. Derselbe Index. Dieselben Aktien. Der Unterschied ist eine Kostenquote, der du einmal zugestimmt und über die du danach nie wieder nachgedacht hast.

Den ganzen Markt zu besitzen ist kein Kompromiss, den man eingeht, weil Aktienauswahl schwer ist. Es ist die Position, die die meiste Zeit gewinnt, und sie kostet in jedem Jahr, in dem du sie hältst, weniger als die Alternative.

Was du besitzt, wenn du den Markt kaufst

Ein Indexfonds hält jede Aktie eines Index, im Verhältnis zur Größe des jeweiligen Unternehmens. Das größte Unternehmen bekommt das größte Gewicht, und wenn der Indexanbieter ein Unternehmen aufnimmt oder entfernt, folgt der Fonds. Niemand im Fonds hat eine Meinung dazu, welche Aktie nächstes Jahr gewinnt, weil niemand eine braucht.

Wie ein Indexfonds läuft, ohne dass jemand Aktien auswählt
  1. 01Der Index setzt die RegelnWelche Unternehmen hineinkommen, vorab veröffentlicht
  2. 02Die Größe setzt die GewichteEin größeres Unternehmen bekommt einen größeren Anteil
  3. 03Der Fonds kopiert die GewichteDein Geld verteilt sich in denselben Anteilen
  4. 04Ändert sich der Index, folgt der FondsAufnahmen, Streichungen und Umgewichtungen laufen automatisch

Gewinner wachsen von selbst zu einem größeren Anteil des Fonds heran, Verlierer schrumpfen heraus. Du musst bei keinem von beiden entscheiden, wann du verkaufst.

Index Was er enthält Ungefähr wie viele Unternehmen Ein Fonds darauf
S&P 500 Große US-Unternehmen 500 iShares Core S&P 500 (IE00B5BMR087)
MSCI World Entwickelte Märkte in 23 Ländern 1.400 iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983)
FTSE All-World Entwickelte und Schwellenländer zusammen Mehr als 3.000 Vanguard FTSE All-World (IE00BK5BQT80)

Die Gewichtung erledigt die Arbeit, für die Aktienauswähler bezahlt werden. Wächst ein Unternehmen auf 5 % des weltweiten Aktienmarkts, gehören dir diese 5 %, ohne dass du eine einzige Aktie selbst gekauft hast. Schrumpft es, schrumpft dein Anteil mit.

Für alle, die gern eine eigene Meinung haben, ist das unbequem. Du besitzt Unternehmen, die du nicht magst, und Unternehmen, von denen du nie gehört hast, in genau den Anteilen, auf die sich der Markt geeinigt hat. Dafür musst du bei keinem einzigen davon recht haben.

Die eine Zahl, die du steuerst

Niemand kann die Rendite des nächsten Jahres vorhersagen. Jeder kann eine Kostenquote lesen, und über einen langen Anlagezeitraum richtet diese Quote mehr Schaden an, als die meisten erwarten.

Ein Prozentpunkt Kosten auf 100.000 €
  • 0,05 % Kosten
  • 1,05 % Kosten
Ein Prozentpunkt Kosten auf 100.000 €
StartJahr 10Jahr 20Jahr 30
0,05 % Kosten100.000 €195.798 €383.368 €750.626 €
1,05 % Kosten100.000 €178.242 €317.701 €566.277 €

Der Abstand beträgt nach zwanzig Jahren 65.667 € und nach dreißig Jahren 184.349 €.

Illustrativ. 100.000 € bei 7 % vor Kosten im Jahr, Kosten jedes Jahr von der Rendite abgezogen, ohne Steuern.

Beide Linien starten bei denselben 100.000 € und erwirtschaften vor Kosten dieselben 7 %. Der teure Fonds ist nicht schlecht gemanagt und hat kein Pech. Er verlangt jedes Jahr einen Prozentpunkt mehr auf einen Bestand, den der Zinseszins gerade vergrößern will, und ein Prozent eines wachsenden Bestands ist ein wachsender Betrag.

Indexfonds oder aktiv gemanagter Fonds
IndexfondsHält den ganzen Markt nach veröffentlichten Regeln
Aktiver FondsEin Fondsmanagement wählt aus
Laufende Kosten
Besser: Rund 0,05 % bis 0,25 % bei einem breiten Fonds
Rund 1 % bis 2 %
Ausgabeaufschlag
Besser: Keiner beim Kauf über einen Online-Broker
Bis 5 % bei vielen Fonds aus der Filiale
Index über 15 Jahre geschlagen
Besser: Liegt beim Index, abzüglich geringer Kosten
Nur eine kleine Minderheit schafft es
Worin du recht haben musst
Besser: In nichts außer dabeizubleiben
In der Wahl des Managements, und danach im Festhalten

FazitEin aktiver Fonds muss den Index jedes Jahr um seine Mehrkosten schlagen, nur um gleichzuziehen. Über fünfzehn Jahre gelingt das nur wenigen.

Kosten illustrativ. Ergebnis gegen den Index: S&P SPIVA-Scorecards für Europa und die USA, Zeiträume von 15 Jahren.

Die SPIVA-Auswertungen von S&P kommen über 15-Jahres-Zeiträume immer wieder zu dem Ergebnis, dass rund 90 % der aktiv gemanagten US-Großkapitalfonds den S&P 500 verfehlen, und die europäischen Zahlen sehen nicht besser aus. Die Auswertungen erscheinen zweimal im Jahr, und ihre Richtung hat sich in zwanzig Jahren nicht geändert.

Kosten verstecken sich auch außerhalb der Kostenquote. Depotgebühren, eine Vermögensverwaltung mit 1 % im Jahr, der Spread bei jeder Order und die Handelskosten des Fonds kommen alle aus derselben Tasche. Eine Verwaltungsgebühr von 1 % auf einen Indexfonds mit 0,2 % ergibt 1,2 % Belastung im Jahr und bringt dich zurück auf die teure Linie der Grafik oben, ohne dass du einen einzigen teuren Fonds besitzt.

Drei Fonds, eine Entscheidung

Das Standardrezept passt in einen einzigen Balken:

Das Drei-Fonds-Depot

Eine übliche Startaufteilung

  • Aktien entwickelter Märkte
  • Schwellenländer
  • Euro-Staatsanleihen

Tausende Unternehmen, eine Sparplanausführung im Monat und etwa fünfzehn Minuten Pflege im Jahr. Die Aktien- und Anleihefonds darin kosten weniger als 0,25 % im Jahr, die günstigsten unter 0,10 %.

Eine übliche Aufteilung, keine Empfehlung für dein Alter oder deine Ziele. Beispielfonds: iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983), iShares Core MSCI EM IMI (IE00BKM4GZ66), iShares Core Euro Government Bond (IE00B4WXJJ64).

Wenn dir auch drei Fonds zu viel sind, nimm einen. Ein Weltfonds wie ein FTSE All-World deckt entwickelte Märkte und Schwellenländer in einer einzigen Position ab und gleicht intern aus. Du verzichtest darauf, eine Anleihequote selbst zu steuern, und bekommst dafür ein Depot, an dem du nie herumschraubst. Den sicheren Teil hältst du dann auf dem Tagesgeld.

Die fünf Prozent, die nie ankommen

Ein Ausgabeaufschlag ist leicht zu übersehen, weil er abgezogen wird, bevor dein Geld investiert ist. Du gibst 10.000 € hin, 500 € gehen an den Vertrieb, 9.500 € gehen an die Arbeit. Diese 500 € verschwinden nicht nur einmal. Sie verschwinden samt allem, was sie verdient hätten.

Was ein Ausgabeaufschlag von 5 % dreißig Jahre später kostet
  • Tag eins
  • Jahr 10
  • Jahr 20
  • Jahr 30
Was ein Ausgabeaufschlag von 5 % dreißig Jahre später kostet
Die 500 € Aufschlag, wären sie angelegt worden
Tag eins500 €
Jahr 10984 €
Jahr 201.935 €
Jahr 303.806 €

Die 500 € verlassen dein Konto am ersten Tag. Was sie verdient hätten, verschwindet dreißig Jahre lang weiter.

Illustrativ. Kauf über 10.000 € mit 5 % Ausgabeaufschlag, danach 7 % im Jahr.

Kommt zum Ausgabeaufschlag noch die Kostenquote eines aktiven Fonds, wird die Rechnung hässlich. Nimm 10.000 € bei denselben 7 % vor Kosten über dreißig Jahre. Bei 0,05 % im Jahr enden sie bei rund 75.000 €. Bei 2 % im Jahr, was viele aktiv gemanagte Fonds alles in allem kosten, enden sie bei rund 43.000 €. Beide Werte unterstellen, dass das Management vor Kosten den Index getroffen hat, was den meisten nicht gelingt.

Der Einstieg, in dieser Reihenfolge

  1. Depot eröffnen

    Ein Depot bei einem günstigen Online-Broker reicht für den Anfang, und einen Freistellungsauftrag gleich mit einrichten.

  2. Erst einen breiten Fonds kaufen

    Bring die erste Sparrate in den Markt, bevor du irgendetwas optimierst.

  3. Zweiten und dritten Baustein später ergänzen

    200 € auf drei Fonds zu verteilen ist Ablenkung, nicht Streuung.

  4. Den Kauf automatisieren

    Ein Sparplan zum Gehaltstag, derselbe Betrag, jeden Monat.

  5. Einmal im Jahr nachsehen

    Die Gewichte driften. Die Kosten nicht, solange du die Fonds nicht wechselst.

Die Fehler sind vorhersehbar, und alle sind Verhaltensfehler. Täglich auf den Kontostand zu schauen macht aus normalem Rauschen einen Grund zu handeln. In einem schlechten Monat zu verkaufen macht aus einem vorübergehenden Verlust einen dauerhaften. Dem besten Fonds des Vorjahres nachzulaufen kauft Renditen, die schon vorbei sind. Fünf Fonds, die dieselben Unternehmen besitzen, bringen Papierkram statt Streuung. Und auf den besseren Einstieg zu warten ist die Wette, einen Markt timen zu können, an dem Profis scheitern.

Auch die Steuer spricht fürs Liegenlassen. Gewinne werden in Deutschland erst beim Verkauf voll besteuert, bis dahin fallen nur Ausschüttungen oder die Vorabpauschale an. Wer häufig umschichtet, zahlt Abgeltungsteuer auf jeden realisierten Gewinn und verliert das Geld, das sonst weiter für ihn gearbeitet hätte. Ein breiter Fonds, der jahrzehntelang liegen bleibt, schiebt diese Rechnung vor sich her.

Indexinvestieren verlangt von dir, vor Kosten durchschnittliche Renditen zu akzeptieren, und liefert dir danach überdurchschnittliche. Genau das ist der Tausch, und er funktioniert, weil er nicht davon abhängt, dass du in irgendetwas klug bist, außer darin, investiert zu bleiben.

56 weitere Vertiefungen findest du in der Navigator-Bibliothek.

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