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7 min

Notgroschen

Drei bis sechs Monate Grundausgaben in bar. Wie du die Reserve dimensionierst und was nicht hineingehört.

Ein Notgroschen ist das langweiligste Konto, das du je besitzen wirst, und das eine, das entscheidet, ob der Rest des Plans die Wirklichkeit übersteht. Seine Aufgabe ist nicht zu wachsen. Seine Aufgabe ist, dass du nie im ungünstigsten Moment eine Geldanlage verkaufen oder dir Geld zu 22 % leihen musst.

Drei bis sechs Monatsausgaben ist die Standardantwort. Für einen Haushalt mit einem Einkommen und Kindern passt sie ungefähr. Für viele andere ist sie in beide Richtungen falsch.

Wofür das Geld da ist

Benenne die Ereignisse. Ein Job, der endet. Ein Auto, das nicht anspringt. Eine Heizung, die im November ausfällt. Eine Zahnarztrechnung in einer Woche, in der das Konto dünn ist.

Geld dafür bereitzuhalten hat wenig mit den Zinsen zu tun, auf die du verzichtest. Es hat mit dem Preis der beiden Alternativen zu tun, und beide sind teurer, als sie aus der Entfernung aussehen. Eine Geldanlage im Abschwung zu verkaufen macht aus einem Buchverlust einen endgültigen: Ein Rückgang von 30 % auf 9.600 € sind 2.880 €, die genau dann fehlen, wenn du sie nicht ersetzen kannst. Leihen lässt sich leichter beziffern.

Eine Reparatur über 2.400 €, auf zwei Arten bezahlt
Aus dem NotgroschenGeld umbuchen, Auto reparieren
Mit Kreditkarte zu 22 %Abgetragen mit 60 € im Monat
Monatliche Rate
Besser: keine
60 €
Monate, bis es vorbei ist
Besser: 0
73
Gezahlte Zinsen
Besser: 0 €
1.965 €
Was die Reparatur insgesamt kostet
Besser: 2.400 €
4.365 €

FazitDie Rendite eines Notgroschens ist nicht der Zinssatz auf dem Konto. Sie besteht aus den 1.965 €, die du nicht gezahlt hast, und den Fonds, die du in einem fallenden Markt nicht verkaufen musstest.

Illustrativ. 22 % effektiver Jahreszins, monatlich verzinst, feste Raten von 60 €, keine neuen Käufe. Beim Dispo sieht die Rechnung ähnlich aus.

Wie viel: Monatsausgaben, nicht Monatseinkommen

Das entscheidende Wort heißt Ausgaben. Das Ziel ist kein Anteil deines Einkommens, sondern ein Vielfaches des Geldes, das dein Haushalt nicht abschalten kann.

Welche Kosten zählen, entscheidet eine einzige Frage: Wenn das Einkommen morgen stoppt, würde das nächsten Monat trotzdem bezahlt? Miete oder Kreditrate, Nebenkosten, Lebensmittel, Versicherungen, Verkehr, Mindestraten und Kinderbetreuung bestehen die Frage. Urlaub, Restaurants, Abos und Kleidung nicht. Deine eigenen Sparraten ebenso wenig, denn sie auszusetzen ist das Erste, was du im Notfall tust.

An dieser Bezugsgröße schießen viele übers Ziel hinaus. Ein Haushalt mit 2.400 € netto und 1.600 € notwendigen Ausgaben braucht für sechs Monate 9.600 €. Sechs Monatseinkommen wären 14.400 €.

Sechs Monatseinkommen gegen sechs Monate Grundkosten

Ein Ziel von 14.400 €14.400 €

  • Sechs Monate notwendige Ausgaben
  • Überschuss bei Rechnung mit dem Einkommen

4.800 € des einkommensbasierten Ziels kaufen keinen zusätzlichen Schutz. Sie gehören in einen Indexfonds, nicht aufs Tagesgeld.

Illustrativ. 2.400 € netto im Monat, 1.600 € notwendige Ausgaben.

Wie viele Monate es sein sollten, hängt davon ab, wie schnell dein Einkommen zurückkommen könnte und wie viele Menschen davon abhängen.

Wie viele Monate Grundkosten du vorhalten solltest
3 Mon.4 Mon.6 Mon.12 Mon.
  • 3 Mon.Zwei sichere Einkommen, keine Kinder
  • 4 Mon.Ein sicheres Einkommen
  • 6 Mon.Ein Einkommen mit Kindern, oder freiberuflich
  • 12 Mon.Selbstständig mit einem großen Kunden oder in einer zyklischen Branche
  • Die übliche Spanne

Zwei Gehälter fangen die meisten Schocks auf. Für Freiberufler ist die Lücke zwischen zwei Projekten der Normalfall, und Selbstständige können Einkommen und Auftragslage im selben Monat verlieren, deshalb reicht die Spanne bis zu einem Jahr.

Faustregeln, keine Vorschrift. Bemiss den Notgroschen an deinen eigenen notwendigen Ausgaben. Arbeitslosengeld federt in Deutschland einen Teil ab, kommt aber nicht sofort und nicht für Selbstständige ohne freiwillige Versicherung.

Aufbauen, ohne aufzugeben

Monate bis zu sechs Monatsausgaben
  • 200 € im Monat
  • 300 € im Monat
  • 400 € im Monat
Monate bis zu sechs Monatsausgaben
Monate bis 9.600 €
200 € im Monat48
300 € im Monat32
400 € im Monat24

Dasselbe Ziel, und zwei Jahre Unterschied zwischen der langsamsten und der schnellsten Sparrate.

Illustrativ. Ziel von 9.600 €, ohne Zinsen auf das Guthaben.

Vier Jahre sind lang genug, dass ein Plan aufgegeben wird, und das passiert meist in einem guten Monat, nicht in einem schlechten: ein Urlaub, ein Umzug, ein Auto, das endgültig den Geist aufgibt. Mehr Disziplin ist nicht die Lösung. Ein kleineres erstes Ziel ist es.

Von unten nach oben aufbauen
  1. 01Ein erster PufferFünf Monate mit 200 €. Reicht für die meisten Reparaturen, Zuzahlungen und Geräte1.000 €
  2. 02Eine MonatsausgabeMacht aus einer Einkommenslücke eine knappe Zeit statt einer Krise1.600 €
  3. 03Drei bis sechs MonateDie volle Reserve. Sonderzahlungen und Gehaltserhöhungen landen zuerst hier4.800–9.600 €
  4. 04Dann den Dauerauftrag umleitenDerselbe Dauerauftrag fließt in einen Sparplan. Die Gewohnheit steht schonIndexfonds

Jede Stufe hilft schon für sich allein, und genau das hält den Plan über vier Jahre Aufbau am Leben.

Was die Lücke wirklich schließt, ist unverhofftes Geld. Eine Steuererstattung, das Weihnachtsgeld, bezahlte Überstunden, der Erlös aus Dingen, die du nicht mehr brauchst: 1.200 € auf einmal entsprechen sechs Monaten mit 200 €. Überweise sie am Tag des Eingangs. Geld, das eine Woche auf dem Girokonto liegt, wird in dieser Woche ausgegeben.

Wo es liegen sollte

Drei Anforderungen. Es muss da sein, es muss binnen eines Tages erreichbar sein, und es darf nicht an Wert verlieren können. Zinsen entscheiden bei Gleichstand, sie sind nicht das Ziel.

Wo Erreichbar Risiko Urteil
Tagesgeldkonto am selben Tag keines, gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € pro Person und Bank der Standard
Geldmarktfonds ein bis zwei Tage sehr gering in Ordnung, etwas mehr bewegliche Teile
Festgeld für die Laufzeit gesperrt keines nur für einen Teil, den du sicher nicht brauchst
Girokonto sofort du gibst es aus Geld in Sichtweite ist ausgegebenes Geld
Aktien und Fonds Tage, zu jedem Kurs fällt 30 % oder mehr das falsche Werkzeug: Verlust und Notfall kommen zusammen
Krypto Stunden fällt 50 % oder mehr keine Reserve
Bargeld zu Hause sofort Diebstahl, Brand höchstens eine Woche Ausgaben

Die Inflation ist der ehrliche Einwand, und er stimmt. Bei 2,5 % im Jahr kaufen 9.600 €, die zehn Jahre unangetastet liegen, noch so viel wie heute 7.500 €.

Was 9.600 € Barreserve nach der Inflation wert sind
Was 9.600 € Barreserve nach der Inflation wert sind
HeuteJahr 3Jahr 5Jahr 10
Kaufkraft bei 2,5 % Inflation9.600 €8.915 €8.485 €7.500 €

Zehn Jahre in der Schublade kosten rund 2.100 € Kaufkraft.

Illustrativ. 2,5 % Inflation im Jahr, ohne Zinsen auf das Guthaben.

Das spricht für ein Konto, das etwas zahlt. Es spricht nicht für den Aktienmarkt, wo dieselben zehn Jahre genauso gut mit einem Rückgang von 30 % beginnen können. Es spricht allerdings dagegen, deutlich mehr zu halten als nötig. 10.000 € überschüssige Reserve bei 2 % werden in zwanzig Jahren zu 14.859 €. Dieselben 10.000 € bei 7 % investiert werden zu 38.697 €, rund 23.800 € mehr, bezahlt für eine Sicherheit, die die ersten sechs Monate schon geboten haben.

Was als Notfall zählt

Eine Frage entscheidet die meisten Fälle: Könnte ich 30 Tage darauf warten? Wenn ja, ist es eine geplante Ausgabe, die nur noch nicht geplant wurde.

Ja, der Notgroschen zahlt Nein, dafür gibt es ein Rücklagenkonto
Ein Job, der endet, oder gekürzte Stunden Ein Angebot oder ein „Schnäppchen“
Eine dringende Arzt- oder Zahnarztrechnung Ein Urlaub
Eine Reparatur, die Auto oder Heizung am Laufen hält Die Kfz-Versicherung, die jedes Jahr im Januar fällig ist
Eine Reise wegen eines Notfalls in der Familie Ein Kursrutsch an der Börse, so verlockend er ist
Ein kaputtes Gerät, auf das du angewiesen bist Ein Kauf, der sich nur dringend anfühlt

Wenn die Antwort Ja lautet, nimm das Geld ohne schlechtes Gewissen. Dafür ist es da. Fang dann im selben Monat an, es wieder aufzufüllen, und setz den Sparplan aus, bevor du den Notgroschen angreifst. Ein Sparplan kann in vier Wochen wieder starten. Eine kaputte Heizung kann nicht warten.

Wer zweimal innerhalb von ein, zwei Jahren für dieselbe Art von Kosten auf die Reserve zugreift, hat keinen Notfall. Er hat eine Budgetzeile mit irreführendem Namen. Weihnachten, die Kfz-Versicherung und die jährliche Wartung der Heizung sind auf den Monat genau bekannt. Ein Rücklagenkonto mit 50 € im Monat deckt sie ab, und die Reserve bleibt für das, was niemand kommen sah.

Die Zahl, auf die es ankommt, ist nicht sechs. Es sind deine eigenen notwendigen Ausgaben mal die Monate, die dein Einkommen realistisch brauchen könnte, um zurückzukommen. Bei zwei unbefristeten Stellen ist diese Zahl klein. Für eine freiberufliche Designerin in einem ruhigen Quartal ist sie es nicht, und wer das ignoriert, verkauft am Ende Fonds in einem fallenden Markt. Fang mit der Version an, die du dieses Jahr erreichst, erst 1.000 €, dann eine Monatsausgabe, und lass jede Sonderzahlung den Rest schließen.

56 weitere Vertiefungen findest du in der Navigator-Bibliothek.

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