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Zuerst an dich selbst zahlen

Am Zahltag sparen, ausgeben, was übrig ist. Warum die umgekehrte Reihenfolge besser wirkt, als jeden Kaffee zu erfassen, und wie du es in zehn Minuten einrichtest.

Zwei Menschen verdienen dasselbe. Die eine überweist am 2. jedes Monats 500 € in einen ETF-Sparplan und lebt von dem, was übrig bleibt. Der andere zahlt Miete, Einkäufe, Versicherungen, Restaurantbesuche und ein paar Abos und spart, was am Monatsende übrig ist. Nach zwanzig Jahren hat die erste Person etwa 260.000 €. Der zweite hat ein paar Bonuspunkte und das dumpfe Gefühl, es irgendwann vorgehabt zu haben.

Der Unterschied ist keine Frage der Disziplin. Es ist die Reihenfolge.

Dasselbe Geld, andere Reihenfolge

Das klassische Haushaltsbuch schickt das Einkommen durch die Ausgaben und hofft, dass am Ende etwas übrig bleibt. Zuerst an dich selbst zahlen tauscht die beiden mittleren Schritte.

Wo das Sparen im Monat steht
Sparen, was übrig bleibtEinkommen, dann Ausgaben, dann Sparen
Zuerst an dich zahlenEinkommen, dann Sparen, dann Ausgaben
Wann gespart wird
Um den 28., wenn überhaupt
Besser: Am Gehaltstag, automatisch
Was ein schlechter Monat kürzt
Das Sparen
Besser: Die Ausgaben
Nötige Entscheidungen im Monat
Dutzende
Besser: Keine
Gespart im Monat mit Autoreparatur
Meist nichts
Besser: Unverändert

FazitWer spart, was übrig bleibt, macht das Investieren zur beweglichsten Zeile im Budget, und sie fängt jede Überraschung ab. Wer zuerst an sich zahlt, macht sie zur festesten Zeile, und alles andere passt sich an, weil es muss.

Die Sparquote ist die Zahl, auf die es ankommt

Nicht dein Gehalt. Nicht die Kostenquote deines Fonds. Der Anteil des Einkommens, den du behältst, entscheidet, wie lange du arbeitest, und er bewirkt mehr als jede Aktienauswahl.

Nimm einen Haushalt mit 6.000 € im Monat. Angenommen sind 7 % Rendite im Jahr auf das angelegte Geld, 3 % Inflation und eine Entnahme von 4 % im Jahr, sobald das Depot die Rechnungen bezahlen muss. Die letzte Annahme ist wichtig: 4 % im Jahr aus einem Depot, das 7 % erwirtschaftet, lassen das Kapital ungefähr unangetastet. 7 % im Jahr auszugeben würde es aufzehren.

Jahre, bis das Depot deine Rechnungen bezahlt
  • 5 % sparen
  • 10 % sparen
  • 15 % sparen
  • 20 % sparen
  • 30 % sparen
  • 50 % sparen
Jahre, bis das Depot deine Rechnungen bezahlt
Jahre des Sparens
5 % sparen78
10 % sparen60
15 % sparen50
20 % sparen42
30 % sparen32
50 % sparen18

Eine höhere Quote wirkt doppelt: Mehr Geld verzinst sich, und es gibt weniger Ausgaben, die das Depot ersetzen muss.

Illustrativ. 6.000 € Einkommen im Monat, 7 % Rendite und 3 % Inflation im Jahr (real rund 3,9 %), Ziel das 25-Fache der Jahresausgaben, jährlich verzinst.

Sparquote Anlage pro Monat Bleibt zum Leben Depot zahlt deine Rechnungen nach
5 % 300 € 5.700 € 78 Jahren
10 % 600 € 5.400 € 60 Jahren
20 % 1.200 € 4.800 € 42 Jahren
30 % 1.800 € 4.200 € 32 Jahren
50 % 3.000 € 3.000 € 18 Jahren

Der Schritt von 10 % auf 20 % spart achtzehn Jahre Arbeit, nicht durch Tugend, sondern weil er gleichzeitig den Betrag erhöht, der sich verzinst, und das Einkommen senkt, das das Depot ersetzen muss.

Sei ehrlich, in welcher Zeile du lebst. Eine Sparquote von 30 % ist bei einem mittleren Einkommen schon eine Leistung. Die Zeile mit 50 % braucht ungewöhnlich günstiges Wohnen und Pendeln oder ein hohes Einkommen. Fünf Prozentpunkte mehr schafft dagegen fast jeder. Wenn du heute nichts sparst, fang mit 5 % an. Wenn 5 % das Budget in diesem Monat sprengen, fang mit 2 % an und erhöhe im April.

Was Automatisierung in Euro wert ist

Für die Automatisierung spricht nicht psychologische Ordnung. Sie hat einen Preis.

Dieselben 20 Jahre mit drei Monatsbeträgen
  • 300 € im Monat
  • 400 € im Monat
  • 500 € im Monat
Dieselben 20 Jahre mit drei Monatsbeträgen
StartJahr 5Jahr 10Jahr 15Jahr 20
300 € im Monat0 €21.478 €51.925 €95.089 €156.278 €
400 € im Monat0 €28.637 €69.234 €126.785 €208.371 €
500 € im Monat0 €35.796 €86.542 €158.481 €260.463 €

Die Linien trennen sich langsam und dann auf einmal. Bei jedem Betrag bringen die letzten fünf Jahre mehr als die ersten zehn.

Illustrativ. Monatliche Einzahlungen bei konstant 7 % Rendite im Jahr, monatlich verzinst, ohne Kosten und Steuern.

100 € mehr im Monat sind über fünfundzwanzig Jahre 30.000 € zusätzliche Einzahlungen. Bis dahin sind daraus 81.007 € Unterschied geworden: die Einzahlungen plus rund 51.000 €, die sie verdient haben. Die ersten fünf Jahre des 500-€-Plans bringen 35.796 €. Die Jahre zwanzig bis fünfundzwanzig bringen 144.573 €. Das ist die Antwort auf „Ich fange an, wenn ich mehr verdiene“: Warten kostet die Jahre des Zinseszinses, nicht die Einzahlungen.

Das Zweite, was Automatisierung bringt, ist der Wegfall jeder Entscheidung darüber, wann investiert wird. An Entscheidungen verliert man Geld. Anleger, die auf Schlagzeilen reagieren, haben in der Vergangenheit weniger verdient als die Fonds, die sie besitzen, weil sie nach Anstiegen kaufen und nach Rückgängen verkaufen. Angenommen, das kostet drei Prozentpunkte im Jahr:

300 € im Monat über 30 Jahre, 7 % gegen 4 %
  • Automatisch mit 7 %
  • Nach Schlagzeilen mit 4 %
  • Jahr 10
  • Jahr 20
  • Jahr 30
300 € im Monat über 30 Jahre, 7 % gegen 4 %
Automatisch mit 7 %Nach Schlagzeilen mit 4 %
Jahr 1051.925 €44.175 €
Jahr 20156.278 €110.032 €
Jahr 30365.991 €208.215 €

Drei Punkte im Jahr sehen in keinem einzelnen Monat nach etwas aus. Nach dreißig Jahren sind es 157.776 €, rund 43 % des automatischen Depots.

Illustrativ. Monatliche Einzahlungen, monatlich verzinst mit der angegebenen Jahresrendite, ohne Kosten und Steuern. Die 4-%-Linie steht für jemanden, der wiederholt nach Anstiegen kauft und nach Rückgängen verkauft.

Die Einrichtung, nach Priorität

Das ganze System besteht aus drei oder vier Daueraufträgen, die am Gehaltstag laufen. Die Reihenfolge ist wichtiger als der Betrag, denn jede Stufe schützt die darüberliegenden davor, geplündert zu werden.

Wohin die Daueraufträge am Gehaltstag gehen, von unten nach oben
  1. 01NotgroschenAuf einem separaten Tagesgeldkonto bei einer anderen Bank3–6 Monate
  2. 02Betriebliche Altersvorsorge mit ArbeitgeberzuschussBei Entgeltumwandlung legt der Arbeitgeber in der Regel mindestens 15 % draufVoller Zuschuss
  3. 03ETF-Sparplan bei einem günstigen BrokerAb 25 € im Monat ausführbar, Freistellungsauftrag nicht vergessenDer Hauptbetrag
  4. 04Rücklagen für unregelmäßige PostenVersicherungen, Reparaturen, Urlaub, auf Unterkonten50–150 €

Fülle jede Stufe, bevor du zur nächsten gehst. Wer die unterste überspringt, verkauft die oberen, sobald das Auto kaputtgeht.

Den Arbeitgeberzuschuss regelt § 1a BetrAVG, soweit der Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge spart. Tarifverträge können mehr vorsehen.

Zwei Details entscheiden, ob es funktioniert. Der Notgroschen gehört zu einer anderen Bank als das Girokonto, denn die Reibung ist der Sinn der Sache. Und im Depot sollten Ausschüttungen automatisch wieder angelegt werden, oder du wählst gleich einen thesaurierenden Fonds. Landen Dividenden auf dem Girokonto, hört der Zinseszins leise auf, und niemand schreibt dir deswegen.

Gehaltserhöhungen und Sonderzahlungen: die Hälfte-Regel

Das Einkommen steigt. Die Ausgaben steigen mit, und aus einer Sparquote von 12 % werden bei höherem Gehalt still und leise 8 %. Die Gegenbewegung ist mechanisch: Leg die Hälfte jeder Erhöhung zurück, bevor die erste Gehaltsabrechnung damit kommt.

3.000 € mehr im Jahr, aufgeteilt nach der Hälfte-Regel

Rund 150 € netto mehr im Monat150 €

  • Zusätzlich in den Dauerauftrag
  • Kommt in deinem Leben an

Die Erhöhung fühlt sich trotzdem wie eine an. Die 75 € im Monat, die du nie gesehen hast, werden in fünfundzwanzig Jahren bei 7 % zu rund 60.800 €.

Illustrativ. 3.000 € brutto mehr im Jahr, rund 150 € netto im Monat. 75 € monatlich bei 7 % angelegt, monatlich verzinst.

Dieselbe Regel gilt für alles, was Geld frei macht. Ein abbezahlter Autokredit gibt 400 € im Monat frei: 300 € davon gleich im selben Monat umleiten, bevor sie je auf dem Girokonto gelegen haben. Ein Weihnachtsgeld von 2.500 € geht zur Hälfte in den Notgroschen oder ins Depot, die andere Hälfte darfst du ausgeben wie ohnehin geplant.

Wenn das Einkommen schwankt

Freiberufler und Selbstständige können keinen Dauerauftrag auf ein Gehalt ohne festen Termin einrichten, und „besser budgetieren“ hilft ihnen nicht. Was funktioniert, ist ein Pufferkonto.

Zuerst an dich zahlen bei schwankendem Einkommen
  1. 01Jede Zahlung landet im PufferEin Sammelkonto, von dem nie direkt ausgegeben wird
  2. 02Zuerst kommt die Steuer wegRund 30 % für Einkommensteuer und Vorauszahlungen, dazu Kranken- und Pflegeversicherung
  3. 03Der Puffer zahlt dir ein GehaltEin fester Betrag am 1. und 15., bemessen an einem mageren Monat
  4. 04Der Dauerauftrag läuft vom GehaltInvestiert wird nach Plan, egal wann Kunden zahlen

In einem mageren Monat fängt der Puffer die Lücke ab, und der Sparplan merkt nichts. Was über dem Gehalt liegt, ist ein Bonus und wird nach der Hälfte-Regel geteilt.

Fehler, die echtes Geld kosten

  • Mit 30 % anfangen. Wer nie gespart hat, erzeugt mit 30 % zwei Monate Dispo und ein aufgegebenes System. Fang mit 2 % an und erhöhe schrittweise.
  • Am Monatsende sparen. Dann ist nie etwas übrig.
  • Angelegtes Geld als verfügbar betrachten. Es ist weg und arbeitet. Nur der Notgroschen ist für Notfälle da, deshalb liegt er auf einem eigenen Konto.
  • Das Sparen automatisieren, aber nicht das Investieren. Geld, das zwei Jahre auf dem Tagesgeld auf einen guten Einstieg wartet, hat kaum etwas verdient.
  • Die Zahl nie überprüfen. Eine Sparquote auf ein Gehalt von 2023 ist kein Plan für ein Gehalt von 2026.
  1. Die aktuelle Sparquote aufschreiben

    Monatseinkommen minus Monatsausgaben, geteilt durch das Einkommen. Nicht bewerten, nur die Zahl notieren.

  2. Einen Startbetrag wählen

    2 % bis 5 % des Nettogehalts, abgestimmt auf den nächsten Gehaltstag. Bewusst niedrig ansetzen.

  3. Konten trennen

    Notgroschen bei einer zweiten Bank, Depot mit thesaurierendem Fonds oder automatischer Wiederanlage.

  4. Die Stufen der Reihe nach füllen

    Erst Notgroschen, dann der volle Arbeitgeberzuschuss, dann der Sparplan, dann die Rücklagen.

  5. Zwei Termine im Jahr eintragen

    Einer für die Erhöhung um einen Prozentpunkt, einer für die Hälfte jeder Erhöhung oder Sonderzahlung.

Wo dieser Rat nicht mehr greift

Wenn dein Einkommen Miete, Essen und Fahrtkosten nicht deckt, erzeugt dieses System ein kleines Konto und ein großes schlechtes Gewissen. Die ehrliche Priorität ist dann mehr Einkommen oder eine niedrigere Fixkostenposition, denn beides bewegt mehr als jeder Dauerauftrag, den du diese Woche einrichten kannst. Das System versagt auch bei Einkommen, die ohne Pufferkonto von Monat zu Monat um mehr als die Hälfte schwanken, und bei allen, die einen Dispo oder Kartenschulden mit rund 10 % bis 20 % Zins tragen. Diese Schuld zu tilgen ist eine garantierte Rendite in genau dieser Höhe, und keine Anlage in diesem Text schlägt sie verlässlich.

56 weitere Vertiefungen findest du in der Navigator-Bibliothek.

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