Bonität in Deutschland: die SCHUFA
FICO-Werte entscheiden, ob du Kredit bekommst und was er kostet. Wie die Skala von 300 bis 850 funktioniert, die fünf Faktoren und was deinen Wert bewegt.
In Deutschland gibt es keine Punktzahl von 300 bis 850, die über deinen Kredit entscheidet. Es gibt die SCHUFA, und sie funktioniert anders — mit Prozentwerten, nicht mit Punkten, und mit einem Datenbestand, der über Jahre wächst.
Das Ergebnis ist dasselbe: Ein guter Eintrag senkt deine Zinsen, ein schlechter kann dich einen Kredit kosten. Der Unterschied liegt darin, wie du Einfluss nimmst.
Was die SCHUFA ist und was sie nicht ist
Die SCHUFA ist ein privates Auskunftsunternehmen, keine Behörde. Sie vergibt keine Kredite und entscheidet auch nicht darüber. Sie sammelt Daten von ihren Vertragspartnern — Banken, Sparkassen, Kreditkartenanbieter, Inkassounternehmen, Versandhändler, Telekommunikationsanbieter — und gibt auf Anfrage einen Score zurück.
Ob du den Kredit bekommst und zu welchem Zinssatz, entscheidet die Bank. Der SCHUFA-Score ist dabei ein Baustein unter mehreren, neben Einkommen, Eigenkapital, Beschäftigung und Sicherheiten.
Was in deiner Akte steht
Anders als in den USA mit drei konkurrierenden Auskunfteien gibt es in Deutschland einen dominanten Anbieter. Daneben existieren Creditreform Boniversum, CRIF Bürgel und infoscore, die je nach Branche unterschiedlich stark genutzt werden.
Gespeichert werden vor allem:
| Art des Eintrags | Beispiel | Typische Wirkung |
|---|---|---|
| Kredite und Raten | Ratenkredit, Autokredit, Immobilienfinanzierung | Positiv, solange vertragsgemäß bedient |
| Kreditkarten | Rahmen und Nutzung | Positiv bei regelmäßiger, vollständiger Zahlung |
| Girokonto | Eröffnung, Führung, Auflösung | Neutral, bei Auflösung kurzzeitig negativ |
| Zahlungsstörungen | Verzug, Mahnverfahren, Titel | Deutlich negativ |
| Insolvenz | Verbraucherinsolvenz | Stark negativ, lange Wirkung |
Ein wichtiger Unterschied zu den USA: Die SCHUFA erfasst keine Zahlungsmoral bei Miete, Strom oder Handyverträgen, sofern der Anbieter keine Zahlungsstörung meldet. Positives Zahlungsverhalten bei diesen Verträgen baut also keinen Score auf — es kann ihn aber beschädigen.
Wie du die Akte prüfen lässt
Du hast nach Artikel 15 der DSGVO das Recht auf eine kostenlose Auskunft über die zu deiner Person gespeicherten Daten. Diese Selbstauskunft ist unbegrenzt oft möglich, nicht nur einmal im Jahr — die weit verbreitete Einmal-im-Jahr-Angabe ist ungenau, aber sie ist der Grund, warum viele sie überhaupt beantragen.
Wichtig ist die Unterscheidung zweier Dokumente:
- Datenkopie nach Art. 15 DSGVO — alle gespeicherten Daten, für dich selbst. Kostenlos. Enthält den Score, aber nur für dich.
- BonitätsAuskunft — das Dokument, das Vermieter und manche Geschäftspartner anfordern. Kostenpflichtig. Zeigt nur den für Dritte relevanten Teil.
Zahlungsstörungen und wie sie verschwinden
Eine getilgte Zahlungsstörung wird nach drei Jahren gelöscht, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem sie erledigt wurde. Der Bundesgerichtshof hat diese Frist bestätigt. Nicht getilgte Forderungen bleiben länger bestehen.
Für die Praxis heißt das: Zahlen ist nicht optional, und die Uhr beginnt erst mit der Erledigung. Eine offene Forderung altert nicht zu deinem Vorteil.
Zuerst prüfen, ob sie berechtigt ist
Ist die Forderung falsch, widersprich schriftlich und verlange die Korrektur.
Bestehende Forderungen begleichen
Erst mit der Tilgung beginnt die Dreijahresfrist.
Erledigung bestätigen lassen
Lass dir die Tilgung schriftlich geben und prüfe, dass sie korrekt gemeldet wurde.
Keine neuen Störungen produzieren
Ein weiterer Eintrag startet keine neue Frist für den alten, verzögert aber die Erholung.
Was deinen Score bewegt
Die genaue Gewichtung veröffentlicht die SCHUFA nicht. Die Faktoren, die einfließen, sind aber bekannt und in ihrer Richtung eindeutig.
- Vertragsgemäße Rückzahlung40 %Der mit Abstand wichtigste Faktor
- Bestand und Alter der Verträge25 %Lange, sauber geführte Konten und Kredite
- Anzahl laufender Kredite20 %Zu viele gleichzeitig wirken negativ
- Neuabschlüsse und Anfragen10 %Viele Anfragen in kurzer Zeit wirken negativ
- Kreditart und Vielfalt5 %Ratenkredit und Karte statt nur einer Art
| Vertragsgemäße Rückzahlung | 40 % |
|---|---|
| Bestand und Alter der Verträge | 25 % |
| Anzahl laufender Kredite | 20 % |
| Neuabschlüsse und Anfragen | 10 % |
| Kreditart und Vielfalt | 5 % |
Illustrativ. Die SCHUFA veröffentlicht die genaue Gewichtung nicht; die Richtung der Faktoren ist bekannt.
Vier Dinge folgen daraus, die du direkt beeinflussen kannst:
- Zahle pünktlich und vollständig. Ein Zahlungsverzug wiegt mehr als zehn saubere Monate.
- Halte deine Kreditkarte niedrig. Die Nutzung des Rahmens wird bewertet, nicht nur die Zahlung.
- Lass alte Konten bestehen. Ein Girokonto, das seit zehn Jahren läuft, arbeitet für dich. Die Kündigung verkürzt deine Historie.
- Vermeide viele Anfragen in kurzer Zeit. Mehrere Kreditanfragen innerhalb weniger Wochen sehen aus wie Geldnot.
Konditionsanfrage und Kreditanfrage
Eine der nützlichsten Unterscheidungen in Deutschland, und die meisten kennen sie nicht:
- Konditionsanfrage — du fragst nach den Zinsen. Sie erscheint nicht als Anfrage in der Akte und beeinflusst den Score nicht.
- Kreditanfrage — die Bank zieht die vollständige Auskunft, weil du tatsächlich beantragst. Sie wird gespeichert und wirkt sich aus.
Bei einer Immobilienfinanzierung heißt das konkret: Fordere zuerst bei mehreren Anbietern die Konditionen an und vergleiche sie, bevor du irgendwo einen echten Antrag stellst. So siehst du alle Zinssätze, ohne deine Akte mit Anfragen zu füllen.
Was es dich kostet, wenn der Score schlecht ist
Der Unterschied liegt nicht in der Ablehnung, sondern im Zinssatz.
Dasselbe Haus, dieselben dreißig Jahre. Der Abstand zwischen der besten und der schwächsten Kategorie beträgt rund 99.000 €.
Illustrativ, auf Basis typischer Zinsabstände zwischen Bonitätsklassen.
Bei einem Ratenkredit ist der Abstand kleiner, aber im Verhältnis genauso deutlich. Bei einer Kreditkarte entscheidet der Score oft darüber, ob du überhaupt eine bekommst.
Die Mythen
| Mythos | Realität |
|---|---|
| Die eigenen Daten zu prüfen senkt den Score | Eine Selbstauskunft beeinflusst den Score nicht |
| Mehr Konten bedeuten bessere Bonität | Zu viele Konten und Kredite wirken negativ |
| Ein hohes Einkommen verbessert den Score | Einkommen wird nicht erfasst |
| Umzüge sind egal | Häufige Adresswechsel fließen in die Bewertung ein |
| Kreditkarte kündigen hilft | Es verkürzt deine Historie und kann den Score senken |
| Nur Zahlen zählt, nicht die Struktur | Art, Alter und Anzahl der Verträge zählen mit |
Der Score ist eine Prognose darüber, dass sich die Vergangenheit wiederholt. Der schnellste Weg zu einer besseren Prognose ist, die jüngste Vergangenheit langweilig zu machen: pünktlich, vollständig, keine neuen Anfragen. Den Rest erledigt die Zeit — und in Deutschland beginnt diese Zeit erst mit der Tilgung.
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