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Studienkredite und BAföG richtig abbezahlen

Bundes- oder Privatkredit, Standard- oder einkommensabhängige Rückzahlung, Erlass oder Tilgung. Wähle zuerst den Rückzahlungsplan, dann, ob du mehr zahlst.

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Wer in Deutschland studiert, sammelt deutlich seltener einen Schuldenberg an als in den USA, aber die Rückzahlung ist kein Selbstläufer. Das BAföG-Darlehen ist zinslos und auf 10.010 € gedeckelt, und trotzdem zahlen viele mehr, als sie müssten, weil sie den Nachlass für frühe Rückzahlung liegen lassen oder den Antrag auf Zahlungspause nicht stellen. Beide Fehler kosten vierstellige Beträge, und beide lassen sich in einem Nachmittag vermeiden.

Der entscheidende Unterschied zu amerikanischen Studienkrediten liegt nicht in der Höhe, sondern in der Konstruktion. In Deutschland hängt die Rückzahlung an deinem Einkommen, nicht an einer Frist. Wer das versteht, kann die Rückzahlung fast beliebig strecken, ohne dass Zinsen auflaufen.

Vier Wege bei diesem Darlehen

Beim BAföG-Darlehen sind drei dieser vier Wege kostenlos, und nur einer kostet Geld. Das Darlehen ist zinslos, die Rückzahlung startet fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer, und die Regelrate beträgt 130 € im Monat, vierteljährlich fällig.

Weg Monatliche Rate Laufzeit Insgesamt gezahlt
Regelrate 130 € 77 Monatsraten 10.010 €
Gestreckt bis zur 20-Jahres-Grenze 84 € 120 Monatsraten 10.080 € (gerundete Rate)
Zahlungspause, danach Regelrate 0 €, dann 130 € einkommensabhängig 10.010 €
KfW-Studienkredit, 10.000 € zu 6,53% 75 € 240 Monatsraten 17.900 €

Die ersten drei Zeilen kosten dich nichts außer Zeit. Genau darin liegt der Unterschied zum vierten Weg: Bei 6,53% effektivem Jahreszins, dem Stand für Neuverträge seit dem 1. April 2026, erzeugt dasselbe Geld über zwanzig Jahre rund 7.900 € Zinsen, und die Zinsen laufen ab der ersten Auszahlung. Ein BAföG-Darlehen, das man verfallen lässt, um stattdessen einen KfW-Kredit aufzunehmen, ist deshalb die teuerste Variante der Studienfinanzierung überhaupt.

Zum Vergleich lohnt der Blick auf das amerikanische System, wo es keine zinslose Variante gibt. Dieselben 33.000 $ Schulden kosten je nach Rückzahlungsplan entweder 11.800 $ oder 30.900 $ Zinsen. Der Plan entscheidet, nicht der Fleiß.

Ein Darlehen von 33.000 $, vier US-Rückzahlungspläne
  • Monatliche Rate
  • Insgesamt gezahlte Zinsen
  • Standard 10 Jahre
  • Graduiert 10 Jahre
  • Gestreckt 25 Jahre
  • Einkommensabhängig gedeckelt
Ein Darlehen von 33.000 $, vier US-Rückzahlungspläne
Monatliche RateInsgesamt gezahlte Zinsen
Standard 10 Jahre375 €11.800 €
Graduiert 10 Jahre250 €11.800 €
Gestreckt 25 Jahre213 €30.900 €
Einkommensabhängig gedeckelt180 €8.000 €

Die Monatsrate zu senken ist einfach. Der dritte Balken zeigt, was sie meistens kostet.

Illustrativ. 33.000 $ zu 6% Jahreszins; der gestreckte Plan über 25 Jahre amortisiert; der einkommensabhängige Balken unterstellt eine Rate von 180 $, die die auflaufenden Zinsen nicht deckt.

Die Falle sind nicht die Zinsen, sondern die Frist

Weil das BAföG-Darlehen zinslos ist, entsteht der Schaden nicht durch Zinseszins, sondern durch versäumte Fristen und nicht gestellte Anträge.

Vier Jahre und sechs Monate nach dem Ende der Förderungshöchstdauer kommt der Feststellungs- und Rückzahlungsbescheid vom Bundesverwaltungsamt. Darin steht der maximale Nachlass bei vorzeitiger Rückzahlung und die Frist, innerhalb derer er gilt. Wer den Brief in eine Schublade legt, verliert den Rabatt. Wer ihn liest und vor dem ersten Fälligkeitstermin zahlt, bekommt 21% der noch nicht fälligen Schuld erlassen.

Bei 10.010 € sind das 2.100 €. Die Zahlung, die diesen Nachlass auslöst, beträgt 7.910 €.

Ein zweiter Kostenpunkt entsteht dort, wo der Nachlass verfällt: Die 20-Jahres-Grenze, nach der die Restschuld erlassen wird, setzt ein Bemühen um Tilgung voraus. Wer die Rate stillschweigend aussetzt, statt eine Zahlungspause zu beantragen, verliert am Ende womöglich den Erlass der gesamten Restschuld. Das ist der teuerste Fehler im ganzen System, weil er den Schuldenberg nicht vergrößert, sondern ihn nur länger stehen lässt.

Was von einem erlassenen Saldo übrig bleibt
  • Saldo bei Erlass75.000
  • Als Einkommen zu versteuern75.000
  • Fällige Steuer bei 22%−16.500
  • Nach der Steuer übrig58.500
Was von einem erlassenen Saldo übrig bleibt
Saldo bei Erlass75.000
Als Einkommen zu versteuern75.000
Fällige Steuer bei 22%−16.500
Nach der Steuer übrig58.500

Der Erlass ist nicht kostenlos. In den USA gilt ein erlassener Studienkreditsaldo als Einkommen, sofern keine ausdrückliche Ausnahme greift.

Illustrativ. 40.000 $ zu 6% aufgenommen, zwanzig Jahre lang Raten unterhalb der auflaufenden Zinsen, erlassener Saldo 75.000 $, effektiver Grenzsteuersatz 22%.

Wann die Restschuld verfällt

Nach 20 Jahren gilt die Schuld als getilgt, wenn du dich im gesamten Zeitraum um Tilgung und Mitwirkung bemüht hast. Das ist der eigentliche Wert des BAföG-Darlehens und der Grund, warum sich ein Zahlungsausfall nie lohnt: Eine ausgesetzte Rate kostet keine Zinsen, ein versäumter Mitwirkungsschritt kann den Erlass der gesamten Restschuld kosten. Melde dem Bundesverwaltungsamt jede Adressänderung. Wird die Adresse ermittelt, kostet das 25 €, und der Bescheid kommt zu spät.

Was du gar nicht erst leihen musst

Jeder Euro, der nicht geliehen wird, muss auch nicht zurückgezahlt werden, und in Deutschland gibt es dafür mehr Möglichkeiten als in den USA. Das Deutschlandstipendium zahlt 300 € im Monat, einkommensunabhängig, und wird zu gleichen Teilen von Bund und privaten Förderern finanziert. Wer es bekommt, kann den KfW-Kredit um genau diesen Betrag kürzen. Die Begabtenförderungswerke der Parteien, Kirchen und Gewerkschaften vergeben Stipendien zwischen 300 € und über 800 € im Monat, ebenfalls einkommens- und leistungsabhängig. Der Aufwand für eine Bewerbung liegt bei ein bis zwei Abenden, und die Erfolgsquote ist deutlich besser als ihr Ruf, weil viele Studierende es gar nicht versuchen.

Dazu kommt die Steuer. Werbungskosten für das Erststudium waren lange nur als Sonderausgaben abziehbar, für Zweitstudium und Master dagegen unbegrenzt als Werbungskosten. Verpflegungspauschalen, Fachliteratur, Semesterbeiträge, Fahrten zur Hochschule und die Kosten für die Abschlussarbeit laufen zusammen und erzeugen einen Verlustvortrag, der die Steuerlast in den ersten Berufsjahren senkt. Bei einem Master mit 60 Präsenztagen und 400 € Fachliteratur kommen schnell 3.000 € zusammen, die später den Steuersatz drücken. Wer das nicht dokumentiert, verschenkt Geld, das nichts mit dem Darlehen zu tun hat.

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