Online-Nachhilfe
Plattform oder Direktkunden, was jede Variante in der Praxis zahlt und wie du vom ersten Schüler zur vollen Woche kommst.
Eine 30-Euro-Stunde bringt keine 30 € pro Stunde. Sie bringt rund 20 €. Genau in dieser Lücke stirbt die Erwartung, mit der viele an Nachhilfe herangehen, und sie zu schließen ist die eigentliche Arbeit.
Rechne einen realistischen Monat. Zehn Stunden pro Woche sind 40 Termine, mehr geht neben einem Vollzeitjob kaum. Zwei davon werden kurzfristig abgesagt oder gar nicht wahrgenommen. 38 bezahlte Stunden à 30 € sind 1.140 €. Die vierzig Stunden waren so oder so belegt. Die Vorbereitung kostet 20 Minuten pro Stunde, sobald das Material steht: 12,67 Stunden. Nachrichten, Verschiebungen und Rechnungen kommen mit fünf Minuten pro Termin dazu, 3,33 Stunden. Das sind 56 Stunden für 1.140 €, also 20,36 € pro Stunde.
Für ein Nebeneinkommen ist das in Ordnung. Es ist nur nicht die Zahl, die in deinem Profil steht.
Die einzige Erhöhung, die kein Kunde genehmigen muss
Im ersten Monat ist nichts wiederverwendbar. 30 Minuten Vorbereitung pro Stunde machen aus denselben 40 Terminen 62,33 Stunden und aus denselben 1.140 € einen Stundenlohn von 18,29 €.
Nach drei Monaten stehen die Arbeitsblätter. 20 Minuten: 56 Stunden, 20,36 €. Nach sechs Monaten hast du eine Sammlung von Erklärungen, die du so oft gegeben hast, dass du sie kürzen kannst: 12 Minuten, 50,93 Stunden, 22,38 €. Nach zwölf Monaten sind es 8 Minuten für eine Stunde, die du vierzig Mal gehalten hast: 48,4 Stunden, 23,55 €.
| Monat 1 | Monat 3 | Monat 6 | Monat 12 | |
|---|---|---|---|---|
| Effektiver Stundenlohn | 18 € | 20 € | 22 € | 24 € |
Dein Preis hat sich nie bewegt. Schneller geworden ist der Job, und Tempo ist die einzige Erhöhung, die jemand bekommt, der keine Stunden in die Woche schieben kann.
Illustrativ. 40 Termine im Monat, 38 bezahlt à 30 €, fünf Minuten Verwaltung pro Termin, Vorbereitung sinkend von 30 auf 8 Minuten pro Stunde.
25 € oder 45 € pro Stunde
Beide Preise funktionieren. Sie erzeugen unterschiedliche Monate.
Bei 25 € füllt sich der Kalender von selbst. Vierzig Termine, 38 bezahlte Stunden, 950 €, dieselben 56 Stunden: 16,96 € pro Stunde. Bei 45 € bekommst du im ersten Jahr keine vierzig Termine voll, und Eltern, die nach dem Preis aussuchen, kommen nicht. Nehmen wir 26 Termine, davon einer ausgefallen: 25 bezahlte Stunden, 1.125 € und 36,5 Stunden, wenn Vorbereitung und Verwaltung mitgezählt werden. Das sind 30,82 € pro Stunde.
Gleiches Fach, gleicher Unterricht, 175 € mehr in zwanzig Stunden weniger.
Der 25-Euro-Monat braucht vierzig volle Termine und verdient trotzdem weniger als der 45-Euro-Monat, der mit 26 auskommt. Der billige Preis ist kein niedrigerer Preis. Er ist eine längere Woche.
Illustrativ. Ausfälle von rund einem Termin in zwanzig bei den niedrigeren Preisen und einem von 26 bei 45 €, Vorbereitung und Verwaltung als Arbeitszeit gerechnet.
Die ersten drei Schüler
Der erste Schüler kommt bei niemandem von einem Marktplatz. Die ersten drei kommen aus dem Umfeld: die Kollegin, deren Tochter vier Monate vor dem Abitur steht, der Nachbar, dessen Sohn Physik aufgegeben hat, die Bekannte, die Statistik nachschreibt.
Frag sie direkt. Nenne deinen Preis in der ersten Nachricht, nicht in der dritten. Nimm für die erste Stunde den halben Preis, wenn es sein muss, aber niemals nichts: Eine kostenlose Stunde erzieht Eltern dazu, deine Zeit für selbstverständlich zu halten. Die erste Sitzung ist eine Diagnose. Finde die Stelle, an der das Verständnis abgebrochen ist, und schreib es danach in drei Sätzen auf.
Drei Schüler sind ein Stundenplan, den du neben Vollzeit halten kannst. Aus ihnen kommt auch der vierte, weil Eltern, die eine bessere Note gesehen haben, davon erzählen. Für das meiste, was du unterrichtest, ist die Qualifikation ein Kapitel Vorsprung vor dem Schüler und kein Doktortitel. Ein Student im zweiten Semester kann Schulmathematik erklären. Wer mittelmäßig Spanisch spricht, kann die ersten zwei Lernjahre unterrichten.
Eine Plattform, die Nachfrage bringt, und eine, die dir deine Schüler vermietet
Das sind zwei verschiedene Geschäfte auf ähnlich aussehenden Websites.
| Modell | Wer findet den Schüler | Was es dich kostet | Wem gehört die Beziehung |
|---|---|---|---|
| Marktplatz (Preply, GoStudent) | Die Plattform | Provision, zu Beginn etwa ein Drittel, sinkend mit steigender Stundenzahl | Der Plattform |
| Portal (Superprof) | Du | Nichts pro Stunde; der Schüler zahlt der Plattform ein Abo | Dir |
| Direkt | Du | Rund 1,5 % plus kleiner Festbetrag pro Zahlung | Dir |
Die Provision ist kein Detail, das man wegstecken kann. Von diesem Monat mit 1.140 € bleiben bei rund einem Drittel Abgabe 764 €, also 13,64 € für jede deiner 56 Stunden. Sinkt die Provision in Richtung eines Fünftels, bringt derselbe Monat 935 €. Direkt gebucht und bezahlt sind es nach Zahlungsgebühren 1.113 €.
Identischer Unterricht, identische Stunden. Die einzige Variable ist, wer euch vorgestellt hat und wer danach an jeder Stunde mitverdient.
Illustrativ. Provision von rund 33 % beziehungsweise 18 % und Zahlungsgebühren von rund 1,5 % plus 0,25 € pro Stunde bei direkter Buchung.
Marktplätze verdienen ihre Provision am Anfang zu Recht. Du hast keine Schüler, sie haben Nachfrage, und ein Drittel des ersten Jahres dafür zu zahlen ist ein fairer Tausch. Das Problem kommt mit Monat sechs: Die Schüler kommen jede Woche wegen dir wieder, und die Plattform nimmt weiter ihren Anteil an einer Beziehung, für die sie nichts mehr tut. Die meisten Marktplätze verbieten es, Schüler von der Plattform wegzuziehen, und sie setzen das durch. Lies die Bedingungen, bevor du damit planst.
Ein Portal dreht das um. Der Schüler bezahlt den Zugang, du behältst den vollen Stundensatz, und niemand liefert dir Schüler. Du beantwortest Anfragen selbst, was echte Arbeit ist, aber jeder gewonnene Schüler bleibt dauerhaft deiner.
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