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International investieren

Ein Welt-ETF hält schon rund 1.500 Unternehmen in 23 Ländern. Heimatlastigkeit, Währung und Schwellenländer, und wie viel du wirklich brauchst.

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Dein Gehalt kommt in Euro. Deine Miete oder deine Baufinanzierung läuft in Euro. Deine gesetzliche Rente ist ein Anspruch, der aus deutschen Löhnen berechnet wird. So betrachtet führst du längst ein Depot, das auf eine Währung und eine Volkswirtschaft konzentriert ist, ohne dass es auf irgendeinem Auszug auftaucht. Verkaufen oder umschichten lässt sich davon nichts. Beweglich ist nur der kleine Rest: dein Depot.

Deshalb muss die übliche Warnung vor dem Home Bias für Leserinnen und Leser in Deutschland andersherum gelesen werden. Die Gefahr ist nicht, dass du zu viel ausländische Aktien hältst. Die Gefahr ist, dass du 0,2 % im Jahr für einen Weltindex bezahlst, ihn dann für eine Wette auf Amerika hältst und anfängst, das scheinbar Fehlende dazuzukaufen.

Drei Indizes, die sich alle global nennen

Der MSCI World enthält rund 1.320 Unternehmen aus 23 Industrieländern, und die USA stellen etwa 70 % davon. Japan kommt auf rund 5 %, Großbritannien auf etwa 3,5 %, Deutschland auf rund 2,5 %.

Der MSCI All Country World enthält rund 2.500 Unternehmen aus 47 Ländern und nimmt die Schwellenländer mit auf. Der US-Anteil liegt bei etwa zwei Dritteln. Ein einziger All-World-ETF deckt beide Gruppen in einer Position ab.

Der S&P 500 enthält 500 große US-Unternehmen, besteht zu 100 % aus den USA und wird in einer einzigen Währung gehandelt.

Der US-Anteil von drei globalen Indizes
  • MSCI World
  • MSCI ACWI
  • S&P 500
Der US-Anteil von drei globalen Indizes
US-Anteil
MSCI World70 %
MSCI ACWI65 %
S&P 500100 %

Die ersten beiden sehen ähnlich aus. Der dritte ist ein anderes Produkt mit ähnlichem Namen.

Ungefähre Indexgewichte, gerundet, Stand Anfang 2026.

Der praktische Unterschied lässt sich in einer Tabelle leichter erkennen:

Was du kaufst Was darin steckt Was fehlt
MSCI-World-ETF rund 1.320 Unternehmen aus 23 Industrieländern Schwellenländer, etwa 10 % des börsennotierten Weltwerts
All-Country-ETF rund 2.500 Unternehmen aus 47 Ländern Nebenwerte, in den einfachen Varianten
S&P-500-ETF 500 große US-Unternehmen alles außerhalb der USA, rund 30 % eines Weltindex
MSCI World plus 10 % Schwellenländer dieselbe Abdeckung wie ein All-Country-Fonds, in zwei Positionen nichts, aber du musst jetzt umschichten

Der Schritt vom MSCI World zum ACWI ergänzt die Schwellenländer, etwa 10 % des Index. Der Schritt vom MSCI World zu einem S&P-500-ETF entfernt rund 30 % des Index — dreizehnhundert Unternehmen, die nicht amerikanisch sind. Diesen zweiten Schritt machen viele, ohne ihn zu bemerken, meist weil die Renditen des letzten Jahrzehnts ihn selbstverständlich erscheinen ließen. Ein US-Tracker im deutschen Depot ist die Entscheidung, kein ASML, kein Nestlé, kein Toyota und kein SAP zu besitzen.

Was keiner der drei löst, ist die Konzentration an der Spitze. Alle drei werden von denselben wenigen amerikanischen Technologiekonzernen dominiert, und deshalb kann ein Weltindex an einem Morgen fallen, an dem die Nachrichten in Deutschland ruhig sind. Ein Weltfonds entfernt diese Abhängigkeit nicht. Er verteilt das Eigentum daran auf mehr von deinem Geld, und das ist eine andere, bescheidenere Aussage.

Home Bias, gemessen an deiner eigenen Bilanz

Wo dein Engagement heute schon liegt
  1. Gehalt und Wohnen100 %in Euro verdient und ausgegeben, an den deutschen Arbeitsmarkt gebunden
  2. Gesetzliche Rente100 %aus deutschen Löhnen berechnet, nicht aus einem Index
  3. Deutschland im MSCI World2,5 %etwa 1.250 € von einem Depot mit 50.000 €
Wo dein Engagement heute schon liegt
Gehalt und Wohnen100 %
Gesetzliche Rente100 %
Deutschland im MSCI World2,5 %

Die ersten beiden Positionen lassen sich nicht verkaufen, nicht umschichten und nicht absichern. Das ist die Konzentration, um die es geht.

Illustrativ. Das Indexgewicht ist das des Marktes; die ersten beiden Zeilen beschreiben eine Leserin oder einen Leser, der in Deutschland arbeitet und wohnt.

Das heißt nicht, dass deutsche Unternehmen eine schlechte Anlage sind. Es ist eine Rechenfrage. Gehalt, Wohnen und Rente hängen schon an einer Volkswirtschaft und einer Währung, und ein DAX-ETF im selben Depot verdoppelt die Wette auf die Wirtschaft, die dich bezahlt. Der DAX besteht aus 40 Unternehmen. Von den beiden Positionen ist der Indexfonds die breit gestreute und der DAX-Fonds die konzentrierte.

Es gilt auch in die andere Richtung. Ein Welt-ETF mit 2,5 % Deutschland ist keine Untergewichtung, die korrigiert werden müsste. Es ist die Zahl des Marktes, und wer die Welt zu Marktgewichten hält, hat über Deutschland überhaupt kein Urteil gefällt.

Das fairste Gegenargument verdient eine Antwort. Die großen US-Konzerne in einem Weltindex erwirtschaften einen erheblichen Teil ihres Umsatzes außerhalb der USA, das Indexengagement ist also internationaler als die Liste der Börsenplätze vermuten lässt. Stimmt, und trotzdem bleiben zwei Punkte: Diese Aktien werden in Dollar bewertet, und sie unterliegen amerikanischen Aufsichtsbehörden, amerikanischem Steuerrecht und amerikanischen Zinsen. Wer einen Welt-ETF hält, hat die Unternehmen gestreut und eine große Dollar-Position behalten.

Währungsrisiko, in Euro gerechnet

Ein Welt-ETF wird in Euro notiert und hält überwiegend Dollar-Werte. Von einem Depot mit 50.000 € stecken rund 35.000 € im Dollar. Bewegt sich der Euro um 10 % gegenüber dem Dollar, verändert sich dein Depotwert um etwa 3.500 €, ohne dass auch nur eine Aktie ihren Kurs geändert hätte. Bei einem Depot von 200.000 € sind es rund 14.000 €, mehr als ein Jahr an Sparraten.

Ein Welt-Depot von 50.000 €, wenn der Euro 10 % gegenüber dem Dollar gewinnt
  • Start50.000 €
  • Euro 10 % stärker, 70 % des Depots in Dollar−3.500 €
  • Wert in Euro46.500 €
Ein Welt-Depot von 50.000 €, wenn der Euro 10 % gegenüber dem Dollar gewinnt
Start50.000 €
Euro 10 % stärker, 70 % des Depots in Dollar−3.500 €
Wert in Euro46.500 €

Kein Unternehmen hat etwas falsch gemacht. Deine Rendite in Euro ist die Marktrendite plus die Währungsrendite.

Illustrativ. Welt-Depot von 50.000 € mit 70 % Dollar-Werten, ohne Kursänderung der Aktien.

Das ist kein Grund, globale Fonds zu meiden; es ist der Preis dafür, die größten Unternehmen der Welt zu besitzen. Es ist ein Grund, damit zu rechnen, dass die Rendite in Euro anders ausfällt als der Indexchart auf einer amerikanischen Website — in Einzeljahren deutlich, und manchmal zwei Jahre hintereinander in dieselbe Richtung. Währungsbewegungen waren in vielen Einzeljahren größer als die Aktienrendite, und über lange Zeiträume haben sie sich wieder ausgeglichen.

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